Presseberichte

Auszug aus der Tageszeitung "Die Rheinpfalz " vom 22.08.2011

 

 
 

Bei der Feuerwehr brennt's

Goldene Zeiten sind vorbei - Einsatzkräfte fehlen - Projekte für Kinder und Jugendliche an Schulen

MAINZ (pet). Die Feuerwehr ist schnell, zuverlässig und rund um die Uhr einsatzbereit. Darauf verlässt sich jeder. Landesweit wird es aber immer schwieriger, neue Einsatzkräfte zu gewinnen und bei der Stange zu halten. Seit einiger Zeit geht die Feuerwehr vermehrt auf Kinder, Jugendliche und Frauen zu. Unter anderem wird mit den Schulen kooperiert, um mehr junge Leute für die Feuerwehr auszubilden.

Die Zeiten ändern sich. Früher war die Feuerwehr eine reine Männerdomäne. Heute bemüht sie sich gezielt um Frauen. Parallel dazu läuft der Versuch, Kinder zwischen sechs und zehn Jahren für die Bambini-Feuerwehr zu begeistern. In Rheinland-Pfalz sollen in Zukunft möglichst viele solcher Bambini-Projektgruppen als Nachmittagsangebot an GanztagsGrundschulen eingerichtet werden.

Dazu wurde Anfang August eine Rahmenvereinbarung zwischen dem Mainzer Bildungsministerium und dem Landesfeuerwehrverband abgeschlossen. Für die Feuerwehr sei das Projekt eine von mehreren Möglichkeiten, um Nachwuchs zu gewinnen, sagt Verbandspräsident Otto Fürst.

An der Eifel-Grundschule Hillesheim gibt es schon seit November 2010 eine Bambini-Feuerwehr. Angestoßen wurde das Pilotprojekt von Petra Cornesse, die die Hillesheimer Jugendfeuerwehr betreut. „Die Idee ließ sich ziemlich schnell umsetzen, weil alle die neue Schul-AG wollten”, sagt sie. Drei Feuerwehrleute, darunter der Lehrer Torsten Seithe, kümmern sich um die Schüler.

„Das Spielerische steht dabei im Vordergrund”, so Cornesse. Zwar werde ab und zu mit D-Schläuchen im Schulhof herumgespritzt, und die Kindern wüssten auch schon einiges über Notrufe und Brandschutz. „Übertreiben dürfen wir es aber nicht mit der Feuerwehr-Technik”, betont Cornesse. „Es muss ja noch genug Anreiz bleiben, sich auf die sechs Jahre Jugendfeuerwehr mit Lehrgängen und Wettbewerben einzulassen”, gibt Seithe zu bedenken. Auf 20 Bambini-Plätze hatten sich in Hillesheim über 90 Schüler beworben, so dass die Teilnehmer ausgelost wurden. Zwei der älteren Schüler sind laut Cornesse bereits in die Jugendfeuerwehr eingetreten.

Nach wie vor kommt der Nachwuchs der rheinland-pfälzischen Feuerwehr zu großen Teilen aus der Jugendfeuerwehr. Bis zu 40 Prozent der Jugendlichen sind später als Einsatzkräfte unterwegs - eine Quote, mit der der Landesverband recht zufrieden ist. Dennoch gibt es auch hier Anlass zur Klage: „Seit drei Jahren sinkt die Zahl der jugendlichen Mitglieder kontinuierlich”, sagt Otto Fürst. „Wir hatten über 15.000 Jugendliche. Mittlerweile sind es unter 14.000, obwohl die Anzahl der Gruppen steigt.” Der Schwund lasse sich nur mit der rückläufigen Bevölkerungsentwicklung erklären.

Um dem entgegenzuwirken, sollen weiterführende Schulen in die feuerwehrtechnische Grundausbildung eingebunden werden, unter anderem die Realschule plus in Pirmasens. An einigen Berufsbildenden Schulen wurde ein entsprechendes Wahlpflichtfach eingeführt, das ein Lehrer mit Wehrausbildung erteilt. Nach einem Jahr Unterricht haben die Schüler den Wissensstand, den auch der Grundausbildungslehrgang der Feuerwehr vermittelt. Die Note fließt ins Abschlusszeugnis ein. Erste Erfahrungen damit wurden laut Fürst an der Berufsfachschule Hauswirtschaft in Germersheim und an der Berufsfachschule 1 in Rodalben gesammelt. „Dieses Projekt hat sich bereits bewährt”, sagt Fürst. Gerade bei schwierigen Schülern habe sich das Sozialverhalten verbessert, und das Interesse am Unterricht sei gewachsen. Mehrere Schüler seien bereits in die Feuerwehr eingetreten.

Heute beginnt an der Berufsfachschule 1 in Wörth ein ähnlicher Kurs, an dem auch das Technische Hilfswerk und das Rote Kreuz beteiligt sind. Dies alles soll der Feuerwehr Zulauf bescheren. „Mitgliederwerbung war bei uns nie ein Thema”, so Fürst. „Alles lief wie von selbst.” Heute fehle fast überall Personal. Vorbei sind die Zeiten, als in Neustadt noch Wartelisten geführt wurden, weil sich junge Männer darum rissen, Feuerwehrmann zu werden. „Inzwischen mussten sogar Wehren aufgegeben werden”, sagt Fürst. In ländlichen Regionen mit langen Anfahrtswegen sei dies problematisch. Schließlich dürfe es allenfalls acht Minuten dauern, bis die Feuerwehr nach einem Alarm am Brandort eintreffe.

Ein großes Personalreservoir sieht Fürst bei den Frauen: „2400 Mitglieder, eine Quote von 7,5 Prozent - da ist noch viel Luft nach oben.” Spezielle Seminare sollen Frauen nun darin bestärken, sich auch auf Führungspositionen zu bewerben. „Vor zehn Jahren wäre so etwas bei der Feuerwehr undenkbar gewesen”, schmunzelt Fürst. Dass Frauen in der Elternzeit aktiv werden können, will der Verband ebenfalls ausnutzen. Gefeilt wird an einem Konzept, das Tageseinsätze mit einem Betreuungsangebot in Tagesstätten verbinden soll. Einwurf

 

Zur Sache

Die Feuerwehr

Vor zehn Jahren hatte die rheinland-pfälzische Feuerwehr noch rund 65.000 ehrenamtliche Mitarbeiter, heute sind es nach Angaben des Landesfeuerwehrverbandes nur noch 53.000.

Es wird zunehmend schwieriger, Leute zu finden, die sich über einen längeren Zeitraum engagieren.

In Rheinland-Pfalz stehen den 53.000 Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr 670 Angehörige der Berufsfeuerwehr gegenüber.

Nur in Kaiserslautern, Koblenz, Ludwigshafen, Mainz und Trier gibt es Berufsfeuerwehren. Der Brandschutz wird weitgehend ehrenamtlich erledigt. (pet)

einwurf

So geht's

Von Petra Depper-Koch

Seht her, so geht's. Die Feuerwehr beklagt zwar ihren Personalmangel, sucht aber selbst nach Lösungen.

Jetzt richtet sie ihr Augenmerk auf die Schulen, um den Nachwuchs für die freiwillige Feuerwehr zu sichern.

Mit kindgerechten Nachmittagsangeboten und soliden Ausbildungsprogrammen für Jugendliche sollen neue Einsatzkräfte gewonnen werden. Einfach ist das nicht, weil junge Leute einen langen Atem brauchen, wenn sie die Ausbildung zum Feuerwehrmann schaffen wollen.

Sechs Jahre Jugendfeuerwehr sind eindeutig zu lang, auch wenn dort einiges geboten wird.

Da kommt die Idee, die Grundausbildung als einjähriges Unterrichtsfach in Real- und Berufsschulen anzubieten, wie gerufen.

Es kann nur gut sein, wenn auf diesem Weg gestandene Feuerwehrleute Jugendliche für ihre lebenswichtige Arbeit begeistern.

Nils erklärt

Kinder können zur Bambini-Feuerwehr

Wenn die Feuerwehr bei ihrem „Tag der offenen Tür” ihr Gerätehaus öffnet, dann ist das immer sehr interessant. Man darf sich in die Feuerwehrautos setzen und manchmal sogar die Drehleiter hochklettern.

Für Kinder, die mehr über die Feuerwehr erfahren wollen, gibt es die Bambini-Feuerwehr. Über ganz Rheinland-Pfalz verteilt, findet ihr 68 verschiedene Bambini-Gruppen. Mindestens sechs Jahre müsst ihr alt sein, wenn ihr dort eintreten wollt.

M
eistens hält ein Feuerwehrmann oder eine Feuerwehrfrau einmal wöchentlich Gruppenstunde im Gerätehaus. Dafür muss er sich vorher bei der Schule für Katastrophenschutz in Koblenz ausbilden lassen. Bei den Bambinis wird gespielt und gebastelt.

Außerdem lernt man einiges darüber, wie gefährlich Feuer ist, und wie man es bekämpft. Die Leute, die sich das Programm ausgedacht haben, hoffen, dass es euch gefällt. Damit ihr später einmal anderen helft und selbst bei der Feuerwehr mitarbeitet. (pet)

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