Bei der Feuerwehr brennt's
Goldene Zeiten sind vorbei - Einsatzkräfte fehlen - Projekte für
Kinder und Jugendliche an Schulen
MAINZ (pet). Die Feuerwehr ist schnell, zuverlässig und rund um
die Uhr einsatzbereit. Darauf verlässt sich jeder. Landesweit
wird es aber immer schwieriger, neue Einsatzkräfte zu gewinnen
und bei der Stange zu halten. Seit einiger Zeit geht die
Feuerwehr vermehrt auf Kinder, Jugendliche und Frauen zu. Unter
anderem wird mit den Schulen kooperiert, um mehr junge Leute für
die Feuerwehr auszubilden.
Die Zeiten ändern sich. Früher war die Feuerwehr eine reine
Männerdomäne. Heute bemüht sie sich gezielt um Frauen. Parallel
dazu läuft der Versuch, Kinder zwischen sechs und zehn Jahren
für die Bambini-Feuerwehr zu begeistern. In Rheinland-Pfalz
sollen in Zukunft möglichst viele solcher Bambini-Projektgruppen
als Nachmittagsangebot an GanztagsGrundschulen eingerichtet
werden.
Dazu wurde Anfang August eine Rahmenvereinbarung zwischen dem
Mainzer Bildungsministerium und dem Landesfeuerwehrverband
abgeschlossen. Für die Feuerwehr sei das Projekt eine von
mehreren Möglichkeiten, um Nachwuchs zu gewinnen, sagt
Verbandspräsident Otto Fürst.
An der Eifel-Grundschule Hillesheim gibt es schon seit November
2010 eine Bambini-Feuerwehr. Angestoßen wurde das Pilotprojekt
von Petra Cornesse, die die Hillesheimer Jugendfeuerwehr
betreut. „Die Idee ließ sich ziemlich schnell umsetzen, weil
alle die neue Schul-AG wollten”, sagt sie. Drei Feuerwehrleute,
darunter der Lehrer Torsten Seithe, kümmern sich um die Schüler.
„Das Spielerische steht dabei im Vordergrund”, so Cornesse. Zwar
werde ab und zu mit D-Schläuchen im Schulhof herumgespritzt, und
die Kindern wüssten auch schon einiges über Notrufe und
Brandschutz. „Übertreiben dürfen wir es aber nicht mit der
Feuerwehr-Technik”, betont Cornesse. „Es muss ja noch genug
Anreiz bleiben, sich auf die sechs Jahre Jugendfeuerwehr mit
Lehrgängen und Wettbewerben einzulassen”, gibt Seithe zu
bedenken. Auf 20 Bambini-Plätze hatten sich in Hillesheim über
90 Schüler beworben, so dass die Teilnehmer ausgelost wurden.
Zwei der älteren Schüler sind laut Cornesse bereits in die
Jugendfeuerwehr eingetreten.
Nach wie vor kommt der Nachwuchs der rheinland-pfälzischen
Feuerwehr zu großen Teilen aus der Jugendfeuerwehr. Bis zu 40
Prozent der Jugendlichen sind später als Einsatzkräfte unterwegs
- eine Quote, mit der der Landesverband recht zufrieden ist.
Dennoch gibt es auch hier Anlass zur Klage: „Seit drei Jahren
sinkt die Zahl der jugendlichen Mitglieder kontinuierlich”, sagt
Otto Fürst. „Wir hatten über 15.000 Jugendliche. Mittlerweile
sind es unter 14.000, obwohl die Anzahl der Gruppen steigt.” Der
Schwund lasse sich nur mit der rückläufigen
Bevölkerungsentwicklung erklären.

Um dem entgegenzuwirken, sollen weiterführende Schulen in die
feuerwehrtechnische Grundausbildung eingebunden werden, unter
anderem die Realschule plus in Pirmasens. An einigen
Berufsbildenden Schulen wurde ein entsprechendes Wahlpflichtfach
eingeführt, das ein Lehrer mit Wehrausbildung erteilt. Nach
einem Jahr Unterricht haben die Schüler den Wissensstand, den
auch der Grundausbildungslehrgang der Feuerwehr vermittelt. Die
Note fließt ins Abschlusszeugnis ein. Erste Erfahrungen damit
wurden laut Fürst an der Berufsfachschule Hauswirtschaft in
Germersheim und an der Berufsfachschule 1 in Rodalben gesammelt.
„Dieses Projekt hat sich bereits bewährt”, sagt Fürst. Gerade
bei schwierigen Schülern habe sich das Sozialverhalten
verbessert, und das Interesse am Unterricht sei gewachsen.
Mehrere Schüler seien bereits in die Feuerwehr eingetreten.
Heute beginnt an der Berufsfachschule 1 in Wörth ein ähnlicher
Kurs, an dem auch das Technische Hilfswerk und das Rote Kreuz
beteiligt sind. Dies alles soll der Feuerwehr Zulauf bescheren.
„Mitgliederwerbung war bei uns nie ein Thema”, so Fürst. „Alles
lief wie von selbst.” Heute fehle fast überall Personal. Vorbei
sind die Zeiten, als in Neustadt noch Wartelisten geführt
wurden, weil sich junge Männer darum rissen, Feuerwehrmann zu
werden. „Inzwischen mussten sogar Wehren aufgegeben werden”,
sagt Fürst. In ländlichen Regionen mit langen Anfahrtswegen sei
dies problematisch. Schließlich dürfe es allenfalls acht Minuten
dauern, bis die Feuerwehr nach einem Alarm am Brandort
eintreffe.
Ein großes Personalreservoir sieht Fürst bei den Frauen: „2400
Mitglieder, eine Quote von 7,5 Prozent - da ist noch viel Luft
nach oben.” Spezielle Seminare sollen Frauen nun darin
bestärken, sich auch auf Führungspositionen zu bewerben. „Vor
zehn Jahren wäre so etwas bei der Feuerwehr undenkbar gewesen”,
schmunzelt Fürst. Dass Frauen in der Elternzeit aktiv werden
können, will der Verband ebenfalls ausnutzen. Gefeilt wird an
einem Konzept, das Tageseinsätze mit einem Betreuungsangebot in
Tagesstätten verbinden soll. Einwurf

Zur Sache
Die Feuerwehr
Vor zehn Jahren hatte die rheinland-pfälzische Feuerwehr noch
rund 65.000 ehrenamtliche Mitarbeiter, heute sind es nach
Angaben des Landesfeuerwehrverbandes nur noch 53.000.
Es wird zunehmend schwieriger, Leute zu finden, die sich über
einen längeren Zeitraum engagieren.
In Rheinland-Pfalz stehen den 53.000 Mitgliedern der
Freiwilligen Feuerwehr 670 Angehörige der Berufsfeuerwehr
gegenüber.
Nur in Kaiserslautern, Koblenz, Ludwigshafen, Mainz und Trier
gibt es Berufsfeuerwehren. Der Brandschutz wird weitgehend
ehrenamtlich erledigt. (pet)
einwurf
So geht's
Von Petra Depper-Koch
Seht her, so geht's. Die Feuerwehr beklagt zwar ihren
Personalmangel, sucht aber selbst nach Lösungen.
Jetzt
richtet sie ihr Augenmerk auf die Schulen, um den Nachwuchs für
die freiwillige Feuerwehr zu sichern.
Mit kindgerechten
Nachmittagsangeboten und soliden Ausbildungsprogrammen für
Jugendliche sollen neue Einsatzkräfte gewonnen werden. Einfach
ist das nicht, weil junge Leute einen langen Atem brauchen, wenn
sie die Ausbildung zum Feuerwehrmann schaffen wollen.
Sechs Jahre Jugendfeuerwehr sind eindeutig zu lang, auch wenn
dort einiges geboten wird.
Da kommt die Idee, die
Grundausbildung als einjähriges Unterrichtsfach in Real- und
Berufsschulen anzubieten, wie gerufen.
Es kann nur gut
sein, wenn auf diesem Weg gestandene Feuerwehrleute Jugendliche
für ihre lebenswichtige Arbeit begeistern.
Nils erklärt

Kinder können zur Bambini-Feuerwehr
Wenn die Feuerwehr bei ihrem „Tag der offenen Tür” ihr
Gerätehaus öffnet, dann ist das immer sehr interessant. Man darf
sich in die Feuerwehrautos setzen und manchmal sogar die
Drehleiter hochklettern.
Für Kinder, die mehr über die
Feuerwehr erfahren wollen, gibt es die Bambini-Feuerwehr. Über
ganz Rheinland-Pfalz verteilt, findet ihr 68 verschiedene
Bambini-Gruppen. Mindestens sechs Jahre müsst ihr alt sein, wenn
ihr dort eintreten wollt.
Meistens hält ein Feuerwehrmann oder eine
Feuerwehrfrau einmal wöchentlich Gruppenstunde im Gerätehaus.
Dafür muss er sich vorher bei der Schule für Katastrophenschutz
in Koblenz ausbilden lassen. Bei den Bambinis wird gespielt und
gebastelt.
Außerdem lernt man einiges darüber, wie
gefährlich Feuer ist, und wie man es bekämpft. Die Leute, die
sich das Programm ausgedacht haben, hoffen, dass es euch
gefällt. Damit ihr später einmal anderen helft und selbst bei
der Feuerwehr mitarbeitet. (pet)
