Kameradschaft und Anerkennung
Hintergrund: Wie die Freiwillige Feuerwehr ihr brennendes
Nachwuchsproblem lösen will
Von
Horst W. Müller
Wenn
es an einem Werktag in Siegelbach brennt, ist nicht sicher, ob das
dort stationierte Löschfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr
wenigstens mit der Mindestbesatzung von sechs Mann ausrücken kann.
In den anderen Stadtteilen sieht die Lage nicht viel besser aus.
Denn es gibt zu wenig ehrenamtliche Floriansjünger, und viele der
Freiwilligen sind nicht immer verfügbar, weil sie weit weg von ihrem
Wohnort zur Arbeit gehen.
Das
Problem ist ernst, denn die Stadt kann es sich nicht leisten, dass
die Freiwillige Feuerwehr schrumpft und an Schlagkraft verliert.
Zwar verfügt sie über eine Berufsfeuerwehr, doch können die 100
Profis alleine den Katastrophen- und Brandschutz in Kaiserslautern
nicht sicherstellen.
„Wir
müssen uns dringend um neue Kräfte kümmern", bestätigt Michael Ufer,
dass die Freiwillige Feuerwehr ein brennendes Nachwuchsproblem hat.
Der stellvertretende Leiter der Kaiserslauterer Feuerwehr hat sich
denn auch schon viele Gedanken gemacht, Kontakte zu anderen Wehren
geknüpft und Ideen gesammelt, wie man Leute für den ehrenamtlichen
Feuerwehrdienst gewinnen könnte.
„Wer
steht überhaupt zur Verfügung?", fragte sich der stellvertretende
Feuerwehrchef und stellte fest, dass einige Bevölkerungsgruppen in
der Wehr kaum oder gar nicht vertreten sind. Es könnten viel mehr
Frauen, viel mehr Studenten viel mehr ausländische Bürger bei der
Freiwilligen Feuerwehr sein.
Auf
diese Zielgruppen will man nun zugehen, die Werbetrommel rühren und
vor allem über die Arbeit der Retter und Helfer in Not informieren.
Viele Ausländer hätten keine Vorstellung von der Freiwilligen Wehr,
weil es in ihrer Heimat solch eine Einrichtung nicht gibt, weiß
Ufer. „Da müssen wir uns vorstellen und aufklären", sagt der
Feuerwehrmann, der dabei auf die Unterstützung des Migrationsbeirats
hofft. Wenn die Reihen der Feuerwehr durch mehr junge Lauterer mit
ausländischen Wurzeln gefüllt würden, wäre das ein Gewinn für beide
Seiten. „Wir sind offen für alle", betont Ufer, der sicher ist, dass
auch ausländische Mitglieder schnell und leicht integriert würden
„und sich bei uns wohlfühlen".
Noch
einige Gedanken machen müssen sich die Lauterer
Wehr-Verantwortlichen, wie man die Frauen für die traditionelle
Männerdomäne begeistern kann. Keinen Zweifel lässt Ufer daran, dass
Feuerwehrfrauen in der Lauterer Löschtruppe willkommen und ebenso
anerkannt seien wie Männer.
Apropos Anerkennung. Sie ist wohl einer der wichtigsten Beweggründe,
um sich ehrenamtlich zu engagieren. Dem stellvertretenden
Feuerwehrdirektor, der selbst bei der Freiwilligen Wehr diente,
bevor er die Arbeit im Katastrophen- und Brandschutz zu seinem Beruf
machte, fallen viele weitere Vorteile ein, die die Mitarbeit bei den
Floriansjüngern mit sich bringen. Kaum ein Verein biete eine so
abwechslungsreiche und lehrreiche Tätigkeit, die von so großer
Bedeutung für die Gesellschaft sei. Dem Allgemeinwohl zu dienen und
Menschen (und Tieren) in Not zu helfen, bringe eine große
Befriedigung. Darüber hinaus biete die Feuerwehr auch Spaß,
Geselligkeit und eine enge Kameradschaft.
Neben diesen ideellen Werten würde die Lauterer Wehr ihren
Ehrenamtlichen auch gerne den ein oder anderen kleinen materiellen
Vorteil zukommen lassen. Auch hier hat Ufer einige Ideen, die
allerdings noch mit der Stadtverwaltung und möglichen Sponsoren
abgesprochen werden müssten.
Ufer
ist zuversichtlich, dank stärkerer Werbung und Information etliche
Leute für die Feuerwehr begeistern zu können. Doch um die
Schlagkraft der Lauterer Einheit zu erhalten und zu erhöhen, muss
die Wehr noch an einer weiteren Front kämpfen: in den Betrieben.
Denn was nutzen noch so viele Freiwillige Feuerwehrleute, wenn sie
während der Arbeitszeit nicht ausrücken können? „Da müssen wir noch
etwas Überzeugungsarbeit leisten", kündigt der stellvertretende
Feuerwehrchef Gespräche mit den Arbeitgebern an. Er ist davon
überzeugt, dass ein Feuerwehrler auch ein Gewinn für den Betrieb
ist. Denn schließlich sei der Floriansjünger in Erster Hilfe und im
Brandschutz ausgebildet. Und: Firmen, die mit der Wehr
zusammenarbeiten und die ehrenamtlichen Helfer für Einsätze
freistellen, können sich auch eine Auszeichnung verdienen und das
Schild „Partner der Feuerwehr" an ihre Tür heften.

Auszug Rheinpfalz
01.06.2010
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