Presseberichte

Auszug aus der Tageszeitung "Die Rheinpfalz " vom 04.06.2010

 

 
 

Kameradschaft und Anerkennung

Hintergrund: Wie die Freiwillige Feuerwehr ihr brennendes Nachwuchsproblem lösen will

Von Horst W. Müller

Wenn es an einem Werktag in Siegelbach brennt, ist nicht sicher, ob das dort stationierte Löschfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr wenigstens mit der Mindestbesatzung von sechs Mann ausrücken kann. In den anderen Stadtteilen sieht die Lage nicht viel besser aus. Denn es gibt zu wenig ehrenamtliche Floriansjünger, und viele der Freiwilligen sind nicht immer verfügbar, weil sie weit weg von ihrem Wohnort zur Arbeit gehen.

Das Problem ist ernst, denn die Stadt kann es sich nicht leisten, dass die Freiwillige Feuerwehr schrumpft und an Schlagkraft verliert. Zwar verfügt sie über eine Berufsfeuerwehr, doch können die 100 Profis alleine den Katastrophen- und Brandschutz in Kaiserslautern nicht sicherstellen.

„Wir müssen uns dringend um neue Kräfte kümmern", bestätigt Michael Ufer, dass die Freiwillige Feuerwehr ein brennendes Nachwuchsproblem hat. Der stellvertretende Leiter der Kaiserslauterer Feuerwehr hat sich denn auch schon viele Gedanken gemacht, Kontakte zu anderen Wehren geknüpft und Ideen gesammelt, wie man Leute für den ehrenamtlichen Feuerwehrdienst gewinnen könnte.

„Wer steht überhaupt zur Verfügung?", fragte sich der stellvertretende Feuerwehrchef und stellte fest, dass einige Bevölkerungsgruppen in der Wehr kaum oder gar nicht vertreten sind. Es könnten viel mehr Frauen, viel mehr Studenten viel mehr ausländische Bürger bei der Freiwilligen Feuerwehr sein.

Auf diese Zielgruppen will man nun zugehen, die Werbetrommel rühren und vor allem über die Arbeit der Retter und Helfer in Not informieren. Viele Ausländer hätten keine Vorstellung von der Freiwilligen Wehr, weil es in ihrer Heimat solch eine Einrichtung nicht gibt, weiß Ufer. „Da müssen wir uns vorstellen und aufklären", sagt der Feuerwehrmann, der dabei auf die Unterstützung des Migrationsbeirats hofft. Wenn die Reihen der Feuerwehr durch mehr junge Lauterer mit ausländischen Wurzeln gefüllt würden, wäre das ein Gewinn für beide Seiten. „Wir sind offen für alle", betont Ufer, der sicher ist, dass auch ausländische Mitglieder schnell und leicht integriert würden „und sich bei uns wohlfühlen".

Noch einige Gedanken machen müssen sich die Lauterer Wehr-Verantwortlichen, wie man die Frauen für die traditionelle Männerdomäne begeistern kann. Keinen Zweifel lässt Ufer daran, dass Feuerwehrfrauen in der Lauterer Löschtruppe willkommen und ebenso anerkannt seien wie Männer.

Apropos Anerkennung. Sie ist wohl einer der wichtigsten Beweggründe, um sich ehrenamtlich zu engagieren. Dem stellvertretenden Feuerwehrdirektor, der selbst bei der Freiwilligen Wehr diente, bevor er die Arbeit im Katastrophen- und Brandschutz zu seinem Beruf machte, fallen viele weitere Vorteile ein, die die Mitarbeit bei den Floriansjüngern mit sich bringen. Kaum ein Verein biete eine so abwechslungsreiche und lehrreiche Tätigkeit, die von so großer Bedeutung für die Gesellschaft sei. Dem Allgemeinwohl zu dienen und Menschen (und Tieren) in Not zu helfen, bringe eine große Befriedigung. Darüber hinaus biete die Feuerwehr auch Spaß, Geselligkeit und eine enge Kameradschaft.

Neben diesen ideellen Werten würde die Lauterer Wehr ihren Ehrenamtlichen auch gerne den ein oder anderen kleinen materiellen Vorteil zukommen lassen. Auch hier hat Ufer einige Ideen, die allerdings noch mit der Stadtverwaltung und möglichen Sponsoren abgesprochen werden müssten.

Ufer ist zuversichtlich, dank stärkerer Werbung und Information etliche Leute für die Feuerwehr begeistern zu können. Doch um die Schlagkraft der Lauterer Einheit zu erhalten und zu erhöhen, muss die Wehr noch an einer weiteren Front kämpfen: in den Betrieben. Denn was nutzen noch so viele Freiwillige Feuerwehrleute, wenn sie während der Arbeitszeit nicht ausrücken können? „Da müssen wir noch etwas Überzeugungsarbeit leisten", kündigt der stellvertretende Feuerwehrchef Gespräche mit den Arbeitgebern an. Er ist davon überzeugt, dass ein Feuerwehrler auch ein Gewinn für den Betrieb ist. Denn schließlich sei der Floriansjünger in Erster Hilfe und im Brandschutz ausgebildet. Und: Firmen, die mit der Wehr zusammenarbeiten und die ehrenamtlichen Helfer für Einsätze freistellen, können sich auch eine Auszeichnung verdienen und das Schild „Partner der Feuerwehr" an ihre Tür heften.

     

Auszug Rheinpfalz 01.06.2010

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